Fahrt für Menschen mit Behinderungen beim Jahresfest des Haus Schmeilsdorf 2010
Hitzefrei im Haus Schmeilsdorf?
Hitzefrei im Haus Schmeilsdorf wollte sich keiner von den Bewohnern nehmen. Denn „Im Fahrtwind“ kommt auf das Sommerfest ihres Heimes und bringt Trikes und Motorräder mit zu einer kleinen Ausfahrt.
Bei 38 Grad Hitze fanden sich am Sonntag, den 11.07.2010 ca.30 Fahrer ein, wovon drei Trikes waren und der Rest Motorradfahrer, um mit uns und den Bewohnern sowie einigen Gästekindern eine kleine Runde über die Dörfer rund ums Heim zu drehen.
Der Treffpunk war dieses mal nicht am Heim, sondern in Kulmbach an einer Tankstelle. Im Minutentakt kamen sie angebrummt. Harley’s, Goldwing’s, BMW’s, usw. Als die Harley’s ankamen, lief es mir eiskalt den Rücken runter...dieser Sound hört sich schon hammermäßig an.
Von dort aus sind wir dann geschlossen nach Mainleus ins Haus Schmeilsdorf gefahren. Bei der Ankunft durfte die ganze Gruppe eine Willkommensrunde über das Festgelände direkt an der Bühne vorbeifahren. Unser Gastgeber, der Leiter des Heimes, Herr Glock hat extra in seinem Musikfundus nach den Bikerlied “Born to be Wild“ gesucht um die Anwohner so richtig auf uns einzustimmen. Unter lautem Geklatsche und Gejohle sind wir dann vorbeigefahren, natürlich nicht ohne auch ein paar Mal richtig den Motor aufheulen zu lassen. Wer vorher nicht schon ein Strahlen im Gesicht hatte, war spätestens jetzt infiziert.
Die nachfolgende obligatorische Fahreranmeldung konnte nach der tollen Begrüßung gleich mit einem Lächeln erledigt werden. Während der Fahrereinweisung warteten schon die ersten Fahrgäste, komplett mit Helm und Jacke eingekleidet, auf den ersten Rundkurs.
Wie üblich fiel die Entscheidung schwer: auf welchem Motorrad fahr ich jetzt als Erstes mal mit? Aber keiner musste sich Sorgen machen, da wir den ganzen Nachmittag da waren und wer wollte, konnte sich auch noch einmal auf einem anderen Motorrad den Wind um die Nase wehen lassen. Die erste Schüchternheit wich gleich freudigem „Hallo“, denn die Fahrer aus der “Fahrtwind-Familie“ sind selbst mit ganzen Herzen dabei. Das spürten auch alle Bewohner und Gäste sofort.
Neben den strahlenden Gesichtern und den Augen von den kleinen und großen Passagiern hatte ich natürlich mein ganz besonderes Highlight: Sven, ein Bewohner im Rolli hatte sich gewünscht, trotz seiner Behinderung auf einem Trike mitfahren zu können. Kein Problem: sein Wunsch ist uns Befehl. Das Lachen in seinen Augen bei der Rückkehr war unbeschreiblich, so etwas zu sehen, ist unbezahlbar.
Mist, jetzt hab ich Pippi im Auge.
Nachdem er wieder in seinem Rolli saß, habe ich ihn nach Rücksprache mit seiner Mutter gefragt, ob er mal auf einer Goldwing mitfahren möchte. Ich weiß,...blöde Frage von mir, klar wollte er. Aber erst wollte er noch mal zum Fest.
Es dauerte nicht lange, schon stand Sven mit seiner Mutter da, grinste mich an und zeigte auf seinen Favoriten bei den Solomaschinen. Er hat sich die zitronengelbe Goldwing für seinen nächsten Ritt rausgesucht. Gute Wahl!
Nachdem er mit Helm und Jacke versorgt war und Platz genommen hat, wurde er noch gesichert und die Fahrt konnte losgehen.
Tja, seine Freude und das Strahlen bei seiner Rückkehr kann ich jetzt nicht in Worte fassen...es war unbeschreiblich. Wir haben ihn noch fotografiert und sein Bild gleich ausgedruckt und mitgegeben.
Bewundernswert finde ich auch die Geduld unserer kleinen und großen Passagiere, wenn nicht gleich das richtige Gefährt da war, wurde geduldig auf dessen Rückkehr gewartet.
Ab und zu lief Herr Glock mit einem verschmitzten Lächeln über den Platz und schloss sich der abfahrenden Gruppe von Harleys, Goldwingern und Solomaschine mit dem Trike eines befreundeten Mitfahrers an. Im Schlepptau hatte er immer einen Mitarbeiter des Hauses, die vom „Boss“ zu einer Runde eingeladen wurden. Ich glaube, sie mussten auch nicht lange überredet werden. An den Gesichtern der Mitarbeiter konnte man nach der Rückkehr sehen, warum sich die Bewohner so freuen wenn wir mit ihnen eine Runde drehen. Jetzt konnten auch sie mitreden.
Apropos Mitarbeiter des Hauses Schmeilsdorf:
Vielen Dank für die herzliche und vorbildliche Versorgung mit kühlen Getränken und gutem Essen. Klasse war auch, dass uns der Haustechniker einen Schlauch vom Wasserhahn bis zu unserem Stützpunkt verlegt hatte, so dass wir immer wieder Gelegenheit hatten, uns zwischen den Fahrten abzukühlen. Dies wurde von den Fahrern rege genutzt.
Am Abend, nachdem wir mit knapp 140 Passagiere auf der gut 12 KM langen Strecke Runde für Runde gedreht haben, dürften wir zum Abschluss noch mal über das Festgelände fahren, wo wir von der Heimleitung, den Bewohnern, Gästen und Mitarbeitern einen Applaus bekamen und sie sich noch mal für unser Engagement bedankten.
Neben den bereits „infizierten“ Fahren bekam die Fahrwind-Familie neue Mitglieder, die den „Spirit“ solcher Veranstaltungen am eigenen Leib erfahren durften und die wir mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen haben.
Am Abend als sich so langsam die einzelnen Gruppen auf den Heimweg machten, konnte man beim verabschieden der einzelnen Mitfahren nur in strahlende Gesichter sehen......unglaublich, der eine oder andere gestanden Biker hatte doch glatt ein klein wenig Pippi im Auge.
Nachdem wir unsere Helme und Jacken im Sprinter verstaut hatten, ging es nach einem Feierabendsgetränk auch für uns wieder zurück nach Feucht in unser Materiallager. Aber nicht ohne vorher den Termin für 2011 mit dem Haus Schmeilsdorf fest auszumachen.
Es war uns eine Ehre da sein zu dürfen.
Unser Dank geht an die vielen Fahrer, die bei der unerbärmlichen Hitze Runde für Runde gedreht haben. Auch ans „Bodenpersonal“ geht ein großer Dank. Wir freuen uns aufs nächste Mal.
© by Alex, 1.Vorstand „Im Fahrtwind“